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Das Solidarmodell des Wohlfahrtsstaates, welches auf einer erzwungenen Solidarität von Ungleichen beruhte, indem es die Abgaben an das Einkommen und die Leistungen an die Bedürftigkeit knüpfte und eine Umverteilung der Einnahmen auf Bedürftige vorsah, wird zunehmend durch ein von Marktmechanismen gesteuertes Versicherungsmodell ersetzt, in welches man sich einkaufen kann und welches hohe Risiken mit hohen und geringe Risiken mit geringen Tarifen belegt. Das System der sozialen Sicherung wird so zu Gunsten von privater Versicherung zurückgedrängt, die nach Bedürftigkeit umverteilende soziale Gerechtigkeit durch eine beitrags- und risikoproportionale Gerechtigkeit ersetzt. […] Die Gesamtheit dieser Entwicklungen fragmentiert die Gesellschaft. Der frei zugängliche öffentliche Raum schrumpft zu Gunsten halböffentlicher und nichtöffentlicher privatisierter Areale mit gestaffelten multiplen Zugangsbeschränkungen. […] Der öffentliche Raum wird dadurch neo-feudalistisch segmentiert.“
(Karl-Ludwig Kunz, Kriminologie, 2004)

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