Wortmeldungen

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Online-Videokonsum nimmt stark zu: – Internetnutzer schauen im Schnitt acht Videos pro Tag; – Trend zu längeren Formaten wie Serien oder Dokus; – Youtube ist der beliebteste Anbieter von Online-Videos. Internetnutzer schauen sich im Web jeden Tag im Schnitt acht Videos an. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM auf Basis einer repräsentativen Erhebung des Marktforschungsunternehmens comScore in Deutschland für den Monat Oktober. Danach liegt die Videonutzung pro Internetnutzer inzwischen bei durchschnittlich knapp 50 Minuten pro Tag. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es erst 34 Minuten und 6 Videos am Tag. (…) Nach den Ergebnissen der Untersuchung ist Youtube der mit Abstand beliebteste Anbieter von Online-Videos in Deutschland. Im Oktober haben mehr als zwei Drittel (70 Prozent) aller Internetnutzer Videos bei Youtube geschaut. (Interessenverband BITKOM: Online-Videokonsum nimmt stark zu; mehr)

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Bundestagswahlen, Feierstunden der Olympiade, Aktionen eines Scharfschützenkommandos, eine Uraufführung im Großen Schauspielhaus gelten als öffentlich. Ereignisse von überragender öffentlicher Bedeutung wie Kindererziehung, Arbeit im Betrieb, Fernsehen in den eigenen vier Wänden gelten als privat. Die im Lebens- und Produktionsszusammenhang wirklich produzierten kollektiven gesellschaftlichen Erfahrungen der Menschen liegen quer zu diesen Einteilungen. (O. Negt/A. Kluge: Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit, 1972, S. 7)

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Den Begriff ‚Sozialstruktur‘ ernst zu nehmen, heißt voraussetzen, daß jede soziale Klasse, da sie in einer historisch bedingten Sozialstruktur eine Stellung einnimmt, von ihren Beziehungen zu den anderen konstitutiven Teilen der Struktur derart berührt wird, daß sie diesen Positionseigenschaften verdankt, die von ihren rein immanenten Eigenschaften – wie etwa einem bestimmten Berufstypus oder materiellen Existenzbedingungen – relativ unabhängig sind. (Bourdieu, Klassenstellung und Klassenlage in: Zur Soziologie der symbolischen Formen, 1970, 42)

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Die emanzipatorische Aufgabe einer derart verstandenen Geschichtswissenschaft [als kritische Gesellschaftswissenschaft] besteht dann darin, ideologiekritisch den Nebel mitgeschleppter Legenden zu durchstoßen und stereotype Mißverständnisse aufzulösen, die Folgen von getroffenen oder die sozialen Kosten von unterlassenen Entscheidungen scharf herauszuarbeiten und somit für unsere Lebenspraxis die Chancen rationaler Orientierung zu vermehren, sie in einen Horizont sorgfältig überprüfter historischer Erfahrungen einzubetten. (Wehler, Das Deutsche Kaiserreich 1871 – 1918, 12, 1973)

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Heute ist die Massenpartei der Oberflächenintegration (…) vollends zum herrschenden Typ des Parteienstaates geworden. Die plebiszitär-demokratische Identität des Willens der jeweiligen Parteienmehrheit in Regierung und Parlament mit dem Willen des Volkes ist in Wahrheit eine fiktive Identifizierung; sie hängt wesentlich auch davon ab, wer über die Zwangs- und Erziehungsmittel verfügt, den Willes des Volkes zu manipulativ oder demonstrativ zu bilden. Die Parteien sind Instrumente der Willensbildung, aber nicht in der Hand des Volkes, sondern derer, die den Parteiapparat beherrschen. (Habermas, Zum Begriff der politischen Beteiligung, 1958 in: Kultur und Kritik, 31)

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Nach Libyen ist längst auch Syrien ins Blickfeld von Polittechnologen in den USA – und nicht nur dort – geraten. Die Debatte darüber, ob der Westen auch dort militärisch eingreifen sollte, läuft bereits auf vollen Touren. (K. Leukefeld, Debatten über Strategien für Syrien, 2011)

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Schon seit längerem beobachten psychoanalytisch geschulte Ärzte einen Symptomwandel in den zeittypischen Krankheitserscheinungen. Die klassischen Hysterien sind beinahe ausgestorben; die Zahl der Zwangsneurosen verringert sich drastisch; statt dessen häufen sich narzisstische Störungen. (…) Es entsteht ein Irritationspotential; mit ihm wächst auch die Wahrscheinlichkeit, daß sich Instabilitäten des elterlichen Verhaltens unverhältnismäßig stark, und zwar im Sinne sublimer Verwahrlosung auswirken. (Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns II, 569, 1981)

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Die noch nicht genau abzusehenden geopolitischen Folgen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise dürfen weder als eine einfache Wiederholung der historischen Phase vor 1945 interpretiert werden, noch in ihren möglichen mittelfristigen konfliktiven Verlaufsformen – angetrieben etwa durch eine Rezentrierung der Weltwirtschaft in Ostasien – unterschätzt werden. (T. ten Brink, Kapitalismus und Geopolitik, 2009)

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Binnenkommunikation bewirkt, daß die ständigen Veränderungen der Wirklichkeit, etwa politische, wirtschaftliche oder ökologische Entwicklungen, innerhalb sozialer Milieus ähnlich verarbeitet werden, während sich zwischen sozialen Milieus Diskrepanzen auftun. Durch Binnenkommunikation werden soziale Milieus zu segmentierten Wissensgemeinschaften, die auf öffentliche Ereignisse mit einem milieuspezifischen Kommentar reagieren. (…) Das Milieu kann zu einem Wissen um seine eigene Existenz gelangen, sich organisieren, als kollektiver Akteur auf der politischen Szene erscheinen. (G. Schulze, Die Erlebnisgesellschaft, 1995)

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Das Solidarmodell des Wohlfahrtsstaates, welches auf einer erzwungenen Solidarität von Ungleichen beruhte, indem es die Abgaben an das Einkommen und die Leistungen an die Bedürftigkeit knüpfte und eine Umverteilung der Einnahmen auf Bedürftige vorsah, wird zunehmend durch ein von Marktmechanismen gesteuertes Versicherungsmodell ersetzt, in welches man sich einkaufen kann und welches hohe Risiken mit hohen und geringe Risiken mit geringen Tarifen belegt. Das System der sozialen Sicherung wird so zu Gunsten von privater Versicherung zurückgedrängt, die nach Bedürftigkeit umverteilende soziale Gerechtigkeit durch eine beitrags- und risikoproportionale Gerechtigkeit ersetzt. […] Die Gesamtheit dieser Entwicklungen fragmentiert die Gesellschaft. Der frei zugängliche öffentliche Raum schrumpft zu Gunsten halböffentlicher und nichtöffentlicher privatisierter Areale mit gestaffelten multiplen Zugangsbeschränkungen. […] Der öffentliche Raum wird dadurch neo-feudalistisch segmentiert.“
(Karl-Ludwig Kunz, Kriminologie, 2004)